
Am 25. Februar 2025 stellte Oberbürgermeister Eckart Würzner gemeinsam mit Kämmerer Wolfgang Polivka den Haushaltsentwurf für die Jahre 2025 und 2026 im Gemeinderat vor. Die Stadt Heidelberg sieht sich einer zunehmend schwierigen Finanzlage gegenüber. Ein Hauptgrund dafür sind die sinkenden Einnahmen, insbesondere aus der Gewerbesteuer, während gleichzeitig die Ausgaben durch neue Aufgaben des Bundes und des Landes steigen. Die Stadt muss daher umfassende Anstrengungen unternehmen, um den Haushalt ins Gleichgewicht zu bringen. Ein entscheidendes Ziel dieser Finanzplanung ist die Stabilisierung der Ausgaben auf dem Niveau des Jahres 2024.
Die Bürgerinnen und Bürger Heidelbergs hatten vom 26. Februar bis zum 21. März 2025 die Möglichkeit, ihre Ideen und Wünsche zur Haushaltsgestaltung über die städtische Internetseite einzureichen. In diesem Zeitraum wurden bemerkenswerte 954 Anregungen eingereicht, was mehr als dreimal so vielen Vorschlägen entspricht wie im Vorjahr (2023/24). Dies zeigt ein deutlich gestiegenes Interesse und Engagement der Bevölkerung an der kommunalen Finanzpolitik.
Beteiligung der Bürger
Von den 954 Anregungen kamen 465 Vorschläge, also fast 49 Prozent, aus dem Bereich „Schule und Bildung“. Besonders die Forderung nach einer stärkeren Förderung der Schulsozialarbeit sticht hervor, die mit 434 Anregungen verzeichnet wurde. Auch der Bereich Kultur war mit 270 Anregungen (29 Prozent) stark vertreten, in dem insbesondere der Wunsch nach einer intensiveren Unterstützung einzelner kultureller Einrichtungen und Angebote geäußert wurde.
Die Dokumentation aller anonymisierten Anregungen wurde Ende März 2025 dem Gemeinderat übergeben und ist online einsehbar. Der Prozess der Bürgerbeteiligung bietet den Heidelbergerinnen und Heidelbergern die Möglichkeit, über ihre steuerlichen Rechte hinaus aktiv an politischen Entscheidungsprozessen teilzunehmen. Bürgerhaushalte gelten als demokratische Instrumente, die Wahlen und Volksabstimmungen ergänzen, jedoch nicht ersetzen sollen. Der Dialog zwischen Bürgern und Entscheidungsträgern ist dabei von entscheidender Bedeutung.
Finanzielle Herausforderungen und Ausgabenplanung
Heidelberg steht vor einer massiven Verschuldung, die sich voraussichtlich von 326,3 Millionen Euro Ende 2024 auf 467,9 Millionen Euro Ende 2026 erhöhen wird. Um diese finanziellen Herausforderungen zu bewältigen, sieht der Haushaltsentwurf vor, dass Kassenkredite in Höhe von über 70 Millionen Euro nötig sind. Dies stellt einen erheblichen Druck auf die künftige Finanzplanung dar.
Die Ausgaben für Kinderbetreuung sind im geplanten Haushalt von 108 Millionen Euro im Jahr 2024 auf 114,2 Millionen Euro im Jahr 2025 und weiter auf 118,2 Millionen Euro im Jahr 2026 angestiegen. Der Bildungsbereich wird ebenfalls berücksichtigt: Die Ausgaben erhöhen sich von 62,2 Millionen Euro in 2024 auf 64,6 Millionen Euro in 2025 und 65,2 Millionen Euro in 2026. Auch die Sozial- und Jugendhilfeausgaben werden ansteigen, von 128,4 Millionen Euro im Jahr 2024 auf 139,2 Millionen Euro in 2025 und 144,6 Millionen Euro in 2026. Die Kulturausgaben steigen leicht von 57,2 Millionen Euro im Jahr 2024 auf 59 Millionen Euro im Jahr 2025, bevor sie 2026 auf 58,9 Millionen Euro zurückgehen.
Die Entscheidung über den Haushaltsbeschluss ist für den 5. Juni 2025 eingeplant, wobei Änderungsanträge der Fraktionen am 9. April eingebracht werden. Die Herausforderung, den Haushalt stabil zu halten und gleichzeitig den Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger gerecht zu werden, bleibt eine zentrale Aufgabe für die Stadtverwaltung. Die wachsende Beteiligung der Bevölkerung an diesem Prozess könnte ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung sein, um die Kluft zwischen politischen Entscheidungsträgern und der Bürgerschaft zu überbrücken.